Kieferschmerzen: Mein Kiefer tut weh, was tun?
Kieferschmerzen, manchmal auch als Schmerzen im Unterkiefer bezeichnet, können eine echte tägliche Belastung darstellen. Ob Sie sie auf einer Seite oder auf beiden zugleich verspüren, beim Kauen, Sprechen oder selbst in Ruhe — Sie haben wahrscheinlich nur einen Gedanken im Kopf: sie loszuwerden. Um Schmerzen im Unterkiefer zu bewältigen, muss man zunächst die Ursachen ermitteln und die Behandlungen kennen, die Linderung verschaffen können.
Die Ursachen für Kieferschmerzen
Schmerzen im Unterkiefer können vielfältige HNO- und zahnmedizinische Ursachen haben, die von Gelenkstörungen bis zu Infektionen oder Nervenschäden reichen.
Kraniomandibuläre Dysfunktionen (CMD)
Störungen des Kiefergelenks, auch kraniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) genannt, gehören zu den häufigsten Ursachen für Kieferschmerzen. Dieses vor dem Ohr gelegene Gelenk, das den Unterkiefer mit dem Schädel verbindet, kann beim Kauen zum Sitz von Schmerzen, Knackgeräuschen oder Blockaden werden. CMDs können durch Stress, Verletzungen oder strukturelle Anomalien des Kiefers ausgelöst oder verschlimmert werden.
Zahnprobleme
Kieferschmerzen können auch mit verschiedenen Zahnproblemen verbunden sein: dem Durchbruch der Weisheitszähne, einer Infektion infolge einer unbehandelten Karies, dem Bruxismus (unwillkürliches Zähneknirschen) oder einer Malokklusion (Fehlstellung der Zähne, die zu Spannungen im Kiefer führen kann).
Nebenhöhlenentzündungen
Sinusitiden — insbesondere solche, die die Kieferhöhlen im Bereich der Wangen betreffen — können Schmerzen im Unterkiefer verursachen. Wenn Sie Schmerzen im Bereich der Wangen oder der oberen Zähne in Verbindung mit einer verstopften Nase verspüren, könnte das ein Hinweis auf eine Sinusitis sein.
Die Trigeminusneuralgie
Der Trigeminusnerv, der fünfte Hirnnerv, überträgt sensorische Informationen vom Gesicht zum Gehirn und steuert die Kaumuskulatur. Wird er gereizt oder komprimiert, kann er heftige, blitzartige Schmerzen verursachen: das nennt man Trigeminusneuralgie. Die Attacken werden häufig durch so einfache Gesten wie Kauen oder Sprechen ausgelöst und lokalisieren sich im unteren Bereich des Gesichts, an den Wangen, in Richtung Nase oder Kiefer.
Mumps und Tetanus
Dank der obligatorischen Impfung heute selten geworden, können auch Mumps und Tetanus Kieferschmerzen verursachen. Mumps äußert sich durch eine Schwellung der Speicheldrüsen, während Tetanus zu schmerzhaften Kontraktionen der Kaumuskulatur führen kann — ein Symptom, das man Trismus nennt.
Wie lassen sich Kieferschmerzen lindern?
Um die Schmerzen dauerhaft zu lindern und etwaige Komplikationen zu vermeiden, muss zunächst ihre genaue Ursache durch einen Arztbesuch festgestellt werden.
Medizinische Behandlungen
Je nach der von Ihrem Hausarzt oder Zahnarzt gestellten Diagnose können verschiedene Behandlungen vorgeschlagen werden:
- entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente, die verschrieben werden, um die Entzündung zu mindern und den Schmerz zu lindern, insbesondere bei CMD oder Zahnproblemen;
- Muskelrelaxantien, besonders nützlich bei Bruxismus, um die Kaumuskulatur zu entspannen;
- eine kieferorthopädische Behandlung, um bei einer Malokklusion die Zahnstellung zu korrigieren;
- Physiotherapie, um die Kiefermuskulatur zu stärken und zu lockern, wenn das Kiefergelenk betroffen ist;
- eine Antibiotikabehandlung bei Vorliegen einer Infektion (unbehandelte Karies, Abszess oder Sinusitis).
Bei bestimmten schweren Formen einer Kiefergelenkstörung können auch ein chirurgischer Eingriff oder Injektionen mit Botulinumtoxin (Botox) empfohlen werden.
Lösungen zur Schmerzlinderung bis zum Arzttermin
Da die Wartezeiten für einen Termin beim Arzt oder Zahnarzt relativ lang sein können, hier einige Tipps, um die Schmerzen bis zu einer heilenden Behandlung zu lindern:
- eine warme Kompresse auflegen, um die Muskeln zu entspannen, oder eine kalte Kompresse, um die Entzündung zu mindern;
- die Kieferbewegungen einschränken: harte Lebensmittel meiden und nicht zu viel sprechen, um das Gelenk nicht unnötig zu belasten;
- die Muskeln um den Kiefer herum sanft massieren, um die Spannungen zu lösen;
- bei Bruxismus eine Aufbissschiene tragen, um Ihre Zähne zu schützen und den Druck auf den Kiefer zu verringern.
Welche Ursache Ihre Kieferschmerzen auch haben mögen, achten Sie bis zu Ihrem Termin auf eine gute Mundhygiene, um die Situation nicht zu verschlimmern. Putzen Sie die Zähne mindestens zweimal täglich mit einer geeigneten Zahnpasta und führen Sie regelmäßig antibakterielle Mundspülungen durch.